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Eine kleine Geschichte des Kartenspiels "Tuppen"
Geschrieben von: Franz Felix Schüller   

Tuppen wird im wesentlichen nur in zwei Bundesländern gespielt, und zwar in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen. Aber es ist auch in Ostbelgien und in Limburg verbreitet. Es war und ist also ein typisch rheinisches Spiel. Es gibt auch organisiertes Tuppen und schon sieben Male wurden Rheinland-Meisterschaften ausgetragen. Der Rheinland-Meister ist zugleich auch Deutscher Meister, Europameister und Weltmeister. Dass Tuppen nicht überall verbreitet war, musste auch schon im Jahre 1827 der Dürener Dichter Josef von der Giese erfahren. Er reiste zwar nur von Düren bis Lechenich, musste aber dort feststellen: "Kehn Dühvel wor, dä Tuppe konnt, kehn Sihl, die Köllerei verstond". Diese Erkenntnis hielt er in seinem Gedicht "Meng Rehs" fest.

Tuppen ist unter verschiedenen Namen verbreitet. In der Kölner Bucht und am Niederrhein heißt es "Tuppen", in der Nordeifel "Sibbe Schröäm", in der Südeifel "Siewe Schrim", ist aber in der ganzen Eifel auch als "Schrömen" oder "Schrämen" bekannt. Sowohl der Niederrhein als auch die Eifel beanspruchen die "eigentliche" Heimat des Tuppens zu sein, sprich , es soll dort entstanden sein. Wer Recht hat, lässt sich nicht eindeutig klären, auch wenn einiges auf die Eifel hindeutet.

Der Name "Tuppen" wird einerseits vom französischen Verb "duper" hergeleitet, was soviel wie "überlisten" oder "täuschen" bedeutet, andererseits gibt es die Deutung, "Tuppen" hieße soviel wie "Klopfen", denn man klopft auf den Tisch, wenn man während des Spiels den Einsatz erhöhen will. Dieses Klopfen soll eingeführt worden sein, damit sich Spieler nicht über die Sprache im geheimen verständigen, um andere Mitspieler zu betrügen. (Beispiele: "Ich erhöhe auf zwei" könnte "Kreuz" bedeuten ; "Jetzt geht es um zwei" z.B. "Pik" usw.). So soll man sich auf die nonverbale Form des Erhöhens durch Klopfen geeinigt haben.

Tuppen ist zweifelsohne ein sehr altes Kartenspiel. Dafür sprechen schon die recht einfachen Grundregeln. Tuppen war immer ein volkstümliches Spiel, ein Wirtshausspiel, in dem es darum ging zu ermitteln, wer die Runde zu bezahlen hatte. Tuppen war historisch betrachtet ein Spiel des Schnapstrinker. Solche Spiele, in denen um Schnapsrunden gespielt wurde, sind von den Herzögen von Jülich immer wieder einmal verboten worden, denn das "Saufen von Schabau" führte auch manchmal zu nicht näher erläuterten "Exzessen", denen sich "der gemeine Mann" hingab. Zwar sind diese "Saufspiele" meist nicht namentlich aufgeführt, aber man kann davon ziemlich sicher ausgehen, dass Tuppen dazugehörte.

Tuppen wurde, soweit es historisch belegbar ist, immer bis 7 gespielt, worauf auch der Name "Sibbe Schröäm" hindeutet. Jeder Spieler zog vor sich auf dem Wirtshaustisch mit Kreide sieben Striche. Verlor er, musste er je nach Höhe des Einsatzes die entsprechende Anzahl an Strichen wegwischen. Dieses Wegwischen wurde "Schrubbe" oder auch "Waische" genannt. Daraus entstanden Redewendungen wie "Isch ben düchtisch jeschrubb wuede" oder "Mich hannt se öentlich jewäische" (beides in der Bedeutung "Ich habe viel verloren"). Hatte ein Spieler nur noch einen Kreidestrich vor sich, brach "die Armut" aus, anderenorts auch "der Hammer" oder "ärme Mann" genannt. Die Bedeutung dieser Begriffe war aber immer dieselbe: Automatisch wurde der Einsatz auf zwei Striche ("Schröäm") erhöht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich zunehmend das Biertrinken. Biertrinker sind gemütlicher und langsamer als Schnapstrinker, und so veränderte sich auch das Tuppen bei den Biertrinkern. Diese spielten es nicht mehr einmal bis 7 wie die Schnapstrinker sondern zweimal bis 7. Gab es unterschiedliche Verlierer, mussten die um die Entscheidung spielen. Diese Entscheidung zwischen den beiden Verlieren wird überall verschieden ausgespielt. Man kann sie durch ein einfaches Tuppspiel , aber auch in Form von Spielvarianten wie "Acht zurück", "Drihe, schürje, wängsele" oder "Schwarze Sau" herbeiführen.

Der 15. Juli 1910 ist für Liebhaber des Tuppens ein ganz besonderer Tag, denn an diesem Tage musste sich das Landgericht Trier mit der Frage beschäftigen, ob denn Tuppen ein Glücksspiel sei. Zum Hintergrund: Im Kreis Daun hatten sich Frauen beim Pfarrer beschwert, ihre Männer würden sich beim "Schrämen" zu oft betrinken und auch sehr viel Geld verspielen. Der Pfarrer hatte für dieses Problem eine vermeintlich einfache Lösung: Er zeigte den Wirt des Lokals, in dem die Männer zechten, wegen "Duldung von Glücksspiel" an. Im Kaiserreich waren nämlich Glücksspiele verboten. Der zuständige Richter konnte allerdings nicht "schrämen". So bat er den Wirt und drei der anwesenden Zeugen, ihm ein typisches Spiel des "Schrämens" zu demonstrieren. Die vier Männer spielten also "unter allgemeiner Heiterkeit" (wie im Protokoll vermerkt wurde) eine Runde aus. Am Ende kam der Richter zu der sicheren Erkenntnis, dass letztendlich immer "der gewandteste oder geschickteste Spieler" gewänne, "Schrämen" also kein Glücksspiel sei und deshalb die Klage abgewiesen werden müsse. Seitdem haben es die Tupper gerichtlich anerkannt: Tuppen ist kein Glücksspiel.

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 05. August 2011 um 09:51 Uhr
 
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