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Bericht der Führung "Einmal Hölle und zurück"
Geschrieben von: Maren Saalfeld & Peter Bittner   

"Einmal Hölle und zurück" war das Thema, unter dem sich am Sonntag, 7. Oktober über 80 Menschen aus Rödingen/Höllen und Umgebung zu einer Dorfführung trafen. Bei wunderschönem Herbstwetter war es wieder der Rödinger Schmied Karl Lessenich, der, nach einer Idee der Rödinger Historetten, die Interessierten mit Geschichte und Geschichten über und aus Höllen bekannt machte.

 

Er begann seine Führung mit dem Ursprung des Namens Höllen, der wahrscheinlich auf die mittelalterliche Bezeichnung „hell“ - eine wilde, abgründige und unwirtliche Gegend - zurückgeht. Dieser Begriff leitet sich von Hel ab - dem Namen der germanischen Totenwelt.

An der durch das Dorf führenden Heerstraße von Güsten nach Angelsdorf ist bereits 1405 urkundlich ein Gasthaus „zu der Hellen Hain“ belegt, das durchreisende Arme und Pilger unter dem Schutz der Hl. Katharina aufnahm. Auch sollten damit zwielichtige Gestalten vom Ort Rödingen fern gehalten werden.

 

Bis 1712 gab es in Höllen außerdem ein Siechenhaus oder Leprosorium (Aussätzigenhaus -auch Melatenhaus) - deshalb heißt der Höllener Flurweg im Volksmund auch Melatenweg oder „am Seches“.

Berücksichtigung fand natürlich auch die Katharinen-Kapelle, die eigens für diese Führung geöffnet wurde, damit die Teilnehmer die historischen Wandmalereien mit dem Höllenschlund betrachten konnten, die 1959 bei der Restaurierung der Kapelle wieder entdeckt wurden. Sie entstanden in den Jahren 1520-1540. Die Kapelle selber wurde laut einer ersten urkundlichen Erwähnung von 1405 bereits um 1350 erbaut.

 

Das Ehrenmal für die Gefallenen beider Weltkriege hat eine skurile Geschichte: es stand auf herrenlosem Grund und erst die Gründung des Denkmalvereins Höllen-Bettenhoven e.V. legalisierte dieses Mahnmal, da dieser dann Besitzer wurde.

Karl Lessenich ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, auch die Geschichte vom Etappenhasen zu erzählen, wie sie sich bei der Theatergruppe des Turnvereins Höllen zugetragen hatte und die in einem Heft der Historetten ausführlich geschildert ist.

Die Geschichte vom Luftpumpen-Jupp ( Josef Schmitz )spielt nach dem 2.Weltkrieg, als man per Fahrrad zur Arbeit im Martinswerk, der Zuckerfabrik Elsdorf oder der Rhein. Linoleum in Bedburg fuhr. Sie beschreibt sehr anschaulich die Widrigkeiten, die man dabei durchleben musste.

 

In einem Bericht von 1857 wird über einen gelungenen Lösch-Einsatz des Brandkorps aus Höllen berichtet und damit die Existenz einer Feuerwehr belegt.

1865 wurde am Ende der Ehrenstraße ein Feuerwehrhaus erbaut, in dem nicht nur Feuerspritze und Löschgerät aufbewahrt wurden, sondern das ebenfalls als Gefängnis diente.

 

Noch heute kann man in der Kaiserstraße 17 die alte Höllener Schule sehen (1840-42 erbaut), die zu Anfang 40-50 Kinder als Schüler hatte.1878 waren es dann bereits 80 Kinder im Drei-Klassen-System. Am 12.10.1925 wurde die Höllener Schule geschlossen und alle Kinder besuchten stattdessen die neugebaute Schule in der Kroschstraße /Hohe Straße in Rödingen.

 

Ein besonderes Kapitel in der Geschichte Höllens ist die Höller Heide, die den Einwohnern von einem Bauern Kieven aus Dankbarkeit für ihre Hilfe bei einem Brand geschenkt wurde und von ihnen in Einzelparzellen, die verlost wurden, unentgeltlich bewirtschaftet werden durfte. 1972 wurden die Nutzungsberechtigten ausbezahlt, damit die Heide nicht im Rahmen der Neugliederung an die neue Gemeinde Titz fiel.

 

Ausführlich dargestellt wurde die Geschichte der Höllener Mühle und auch das dunkle Kapitel des 2. Weltkrieges wurde gestreift.

 

Wer Karl Lessenich kennt, weiß, dass auch viele weitere Anekdoten und Dönekes nicht unerwähnt blieben.

 

Karl Lessenich ist es wieder gelungen, die Menschen in seinen Bann zu ziehen“, so Franz Felix Schüller, Vorsitzender des Vereins Rödinger Historetten, der nach seinem Dank an den inzwischen bewährten Dorfführer und Wortschmied die TeilnehmerInnen zu einem kostenlosen Umtrunk mit Glühwein und Punsch im „Gasthaus zu der Hellen Hain“ einlud.

Jetzt wurden auch die Gewinner des Preisrätsels aus der Historetten-Ausgabe Nr. 10 um die heutige Entsprechung Rödinger Straßennamen aus dem 18. Jahrhundert ermittelt.

Die glückliche Gewinnerin des Hauptpreises aus Rödingen konnte einen Präsentkorb in Empfang nehmen, der überwiegend mit Produkten aus der Region gefüllt war: Ziegenkäse aus Müntz, Honig aus Rödingen, verschiedene Getränke alkoholischer Art, gebrannte Mandeln ebenfalls aus Rödingen und andere Leckereien.

 

In angeregten Gesprächen konnten sich die Mitglieder der Redaktion der Historetten bei den vielen TeilnehmerInnen für ihr Interesse bedanken und Anregungen für neue Geschichten und Aktivitäten der Historetten sammeln.

 

Der Dank galt natürlich auch den Unterstützern, die im Hintergrund mit Rat und Tat und Spenden diese Führung auch mit möglich gemacht haben.

Fotos der Führung finden sie wie immer auf unseren Fotoseiten.

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 18. November 2012 um 13:36 Uhr
 
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